"7 Fragen für den Sport" mit Wenke Marie Dargel (Die Linke)

 

Wenke Marie Dargel ist Landtagskandidatin der Partei "Die Linke". 
Im Interview spricht sie über die geplante Sportpolitik ihrer Partei auf Landesebene, u.a. in den Bereichen Sportförderung, Ehrenamt oder Leistungssport.

Frau mit Brille in rotem T-Shirt; Text "Wenke Marie Dargel (Die Linke) - Interview zur Landtagswahl 2026"

Im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat der Stadtsportbund Halle e.V. die derzeit im Landtag vertretenen Parteien zu zentralen sportpolitischen Themen befragt. Grundlage der Fragen waren wesentliche Forderungen des Landessportbundes Sachsen-Anhalt zur Landtagswahl 2026.
 

Die Parteien wurden gebeten, die Fragen möglichst durch eine Kandidatin oder einen Kandidaten mit Bezug zur Stadt Halle (Saale) beantworten zu lassen. Die eingegangenen Antworten werden unverändert veröffentlicht und redaktionell lediglich hinsichtlich Layout und Darstellung aufbereitet.
 

Alle vollständigen Interviews findet ihr auf unserer Website unter www.sportinhalle.de/landtagswahl2026.


Hinweis: Die Reihenfolge der veröffentlichten Interviews richtet sich nach dem Eingang der Antworten und stellt
keine politische Wertung dar.

Einstiegsfrage:

Welche persönlichen Erfahrungen und Berührungspunkte haben Sie mit dem Sport (Hobby, Leistungssport, ehrenamtliches Engagement, …)? 

Dargel: „Ich mache gerne Sport und spiele Handball bei den vierten Frauen des SV Union Halle-Neustadt. Außerdem steige ich auf den Besen für Sachsen-Anhalts erfolgreichstes Quidditch-Team, die Horkruxe Halle: Ostligameister 2024 und siebter Platz beim EQC 2026 D2, dem europäischen Vereinswettbewerb im Quidditch. Besonders wichtig ist mir, dass Sportangebote inklusiver werden. Das gilt auch für trans Personen. Es braucht faire, praxistaugliche und respektvolle Lösungen statt Kulturkampf, damit trans Personen selbstverständlich Sport treiben können.“

 

1. Sportförderung 

Der organisierte Sport in Sachsen-Anhalt fordert verlässliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie. 

Mit welchen Maßnahmen möchten Sie den Sport strukturell stärken, Förderverfahren vereinfachen und die Finanzierung des organisierten Sports langfristig verlässlich ausgestalten? 

Dargel: „Die Linke will langfristige Investitionsprogramme für Schwimmbäder, Turnhallen und Sportanlagen. Kommunen müssen bei Sanierung und Modernisierung verlässlich unterstützt werden. Allein bei Hallen- und Freibädern liegt der Investitionsstau bei fast 300 Millionen Euro. Auch der Vereinssportstättenbau muss auskömmlich finanziert werden, besonders für kleine und mittlere Vereine. Förderverfahren müssen planbar, verständlich und unbürokratisch sein. Entscheidend ist, ob ein Vorhaben sportfachlich sinnvoll, regional notwendig und förderfähig ist. Eine verpflichtende LSB-Mitgliedschaft als Fördervoraussetzung lehnen wir ab.“

 

2. Sportstätten & Bäder 

Viele Sportstätten und Bäder sind sanierungsbedürftig, Förderverfahren dauern oft zu lange. 

Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um Sportstätten und Bäder bedarfsgerecht zu sanieren, auszubauen und die Förderverfahren für Vereine und Kommunen spürbar zu beschleunigen? 

Dargel: „Die Linke will das Gesamtvolumen der Sportförderung zweckgebunden erhöhen. Das Geld muss dort ankommen, wo der Bedarf am größten ist: in ländlichen Räumen, finanzschwachen Kommunen und bei Vereinen mit begrenzten Eigenmitteln. Sportstätten sind Teil öffentlicher Daseinsvorsorge. Förderverfahren sollen einfacher und verlässlicher werden. Ehrenamtliche Vereinsvorstände brauchen klare Regeln, ausreichende Fristen und weniger Bürokratie. Der Landessportbund bleibt eine zentrale Schnittstelle für sportfachliche Bewertung, Koordination und Umsetzung.“

 

3. Ehrenamt 

Das Ehrenamt ist das Rückgrat des Sports, steht aber zunehmend unter Druck. 

Was wollen Sie tun, um das Ehrenamt im Sport wirksam zu entlasten, attraktiver zu machen und stärker anzuerkennen? 

Dargel: „Die Linke will das Ehrenamt im Sport entlasten. Ehrenamtliche brauchen Zeit, einfache Verfahren und verlässliche Unterstützung, um so wenig Zeit wie möglich mit Bürokratie verbringen zu müssen. Gemeinsam mit dem Landessportbund wollen wir die Ehrenamtsförderung weiterentwickeln. Dazu gehören eine landesweite Ehrenamtskarte, gesicherte Freiwilligendienste und bessere Vereinbarkeit von Engagement mit Schule, Studium und Beruf. Ehrenamt braucht aber auch Hauptamt: Vereine dürfen mit Verwaltung, Förderanträgen, Kinderschutz, Prävention und Konflikten nicht allein gelassen werden. Wir wollen einfachere Förderzugänge, mehr Aus- und Fortbildung, Digitalisierung ohne neue Hürden und qualifizierte Ansprechpersonen.“

 

4. Kinder-, Jugend- und Gesundheitssport 

Sportvereine leisten zentrale Beiträge für Bewegung, Bildung und Gesundheit aller Bevölkerungsgruppen. Sie leisten lokale Kinder- und Jugendarbeit und vor allem vor dem Hintergrund des demografischen Wandels einen wesentlichen Beitrag zur physischen und psychischen Gesundheit ihrer Mitglieder, indem sie regelmäßige Bewegung, soziale Kontakte und strukturierte Angebote unter qualifizierter Anleitung ermöglichen. 

Werden Sie sich dafür einsetzen, den Sport mit seinem nachweislichen Nutzen für die Gesellschaft als kommunale Pflichtaufgabe zu etablieren?

Dargel: „Die Linke will Sport als öffentliche Aufgabe und Teil der Daseinsvorsorge stärken. Sportstätten, Bäder und Vereinsangebote dürfen nicht davon abhängen, ob eine Kommune gerade finanziell handlungsfähig ist. Falls Sport kommunal Pflichtaufgabe wird, müssen Kommunen auch die notwendigen Mittel erhalten. Für uns gilt: Wer bestellt, bezahlt die ganze Rechnung. Deshalb wollen wir übertragene Aufgaben ausfinanzieren und den Kommunen hierfür mehr finanzielle Freiheit geben.“

 

5. Leistungssport 

Die Erfolge der Athletinnen und Athleten aus Sachsen-Anhalt bei den vergangenen Olympischen Spielen haben eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial im Leistungssport unseres Landes steckt und welche Bedeutung leistungsfähige Strukturen vor Ort haben. 

Wie möchten Sie die infrastrukturellen, finanziellen und personellen Rahmenbedingungen an den Standorten des Spitzen- und Leistungssports weiterentwickeln, um den heutigen Anforderungen des Leistungssports gerecht zu werden? 

Dargel: „Leistungssport braucht verlässliche Bedingungen. Die Eliteschulen des Sports, Vereine sowie Landes- und Bundesstützpunkte leisten dafür in Sachsen-Anhalt zentrale Arbeit. Schule und Training müssen gut zusammenpassen. Die Linke will die Unterrichtsversorgung an den 

Eliteschulen sichern und Trainingsbedingungen verbessern: moderne Anlagen, verlässliche Investitionen und gute Arbeitsbedingungen für Trainerinnen und Trainer. Talentfindung und Talentförderung wollen wir dauerhaft absichern, evaluieren und weiterentwickeln. Diese Struktur muss aus Landesmitteln verlässlich finanziert werden.“

 

6. Ihr Thema 

Jede Partei setzt eigene Schwerpunkte. 

Welches sportpolitische Thema ist Ihnen bzw. Ihrer Partei besonders wichtig, das bisher nicht ausreichend angesprochen wurde – und warum? 

Dargel: „Sport darf keine Geldfrage sein. Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien nutzen Sportangebote seltener. Das ist ungerecht, denn Sport stärkt Gesundheit, Selbstvertrauen und soziale Teilhabe. Deshalb wollen wir Beiträge, Ausrüstung und Fahrtkosten stärker abfedern. Kein Kind soll auf Sport verzichten müssen, weil der Vereinsbeitrag oder der Weg zum Training zu teuer sind. Wir setzen auf Zuschüsse für Mitgliedsbeiträge, eine bessere Verbindung von Bildungs- und Teilhabeleistungen mit dem Vereinssport und mehr Kooperationen von Schulen, Kitas und Vereinen. Außerdem gilt: Kein Kind sollte die Grundschule verlassen, ohne sicher schwimmen zu können.“

 

7. Drei schnelle Fragen 

Bitte vollenden Sie die folgenden Sätze (bitte nur einen Satz)! 

1. Wir treten ein für ein (überarbeitetes) bundesweites Sportfördergesetz, das… 

Dargel: „… für die Sportförderung einen bundesweit einheitlichen Rahmen festschreibt und die Entwicklung des Spitzensports in Deutschland insgesamt auf eine verlässliche Basis stellt. Entscheidend für eine bessere Position Deutschlands in internationalen Wettbewerben sind vor allem eine kontinuierliche Steigerung der Bundesmittel, die langfristige Perspektiven für die Leistungszentren sowie die beruflichen und finanzielle Absicherung der Athletinnen und Athleten und der Menschen, die sie trainieren.“

2. Die Potenziale des Sports als treibende Kraft für Integration, Inklusion und Teilhabe unterstützen wir durch… 

Dargel: „… eine Sportpolitik, die Hürden abbaut und Vereine bei inklusiven, barrierearmen und diskriminierungsfreien Angeboten stärkt. Sport bringt Menschen zusammen. Dieses Potenzial muss gezielt genutzt werden: für Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, Mädchen und Frauen, queere Menschen und Menschen mit Migrationsgeschichte.“

3. Digitalisierung im Sport bedeutet für uns…

Dargel: „… Vereine zu entlasten, nicht zusätzlich zu belasten. Digitale Verfahren müssen verständlich, niedrigschwellig und praxistauglich sein. Ein schlecht gemachtes digitales Formular ist keine Entlastung, sondern nur unnötige Bürokratie am Bildschirm. Deshalb müssen digitale Lösungen aus Sicht der Vereine entwickelt werden.