"7 Fragen für den Sport" mit Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)

 

Dr. Hans-Thomas Tillschneider ist Landtagsabgeordneter und Landtagskandidat der Partei "AfD". 
Im Interview spricht er über die geplante Sportpolitik seiner Partei auf Landesebene, u.a. in den Bereichen Sportförderung, Ehrenamt oder Leistungssport.

Mann im grauen Jackett, Text "Dr. Hans-Thomas Tillschneider- Interview zur Landtagswahl 2026"

Im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat der Stadtsportbund Halle e.V. die derzeit im Landtag vertretenen Parteien zu zentralen sportpolitischen Themen befragt. Grundlage der Fragen waren wesentliche Forderungen des Landessportbundes Sachsen-Anhalt zur Landtagswahl 2026.
 

Die Parteien wurden gebeten, die Fragen möglichst durch eine Kandidatin oder einen Kandidaten mit Bezug zur Stadt Halle (Saale) beantworten zu lassen. Die eingegangenen Antworten werden unverändert veröffentlicht und redaktionell lediglich hinsichtlich Layout und Darstellung aufbereitet.
 

Alle vollständigen Interviews findet ihr auf unserer Website unter www.sportinhalle.de/landtagswahl2026.


Hinweis: Die Reihenfolge der veröffentlichten Interviews richtet sich nach dem Eingang der Antworten und stellt
keine politische Wertung dar.

Einstiegsfrage:

Welche persönlichen Erfahrungen und Berührungspunkte haben Sie mit dem Sport (Hobby, Leistungssport, ehrenamtliches Engagement, …)? 

Dr. Tillschneider: „Viele unserer Mitglieder sind sportlich aktiv und betreiben unter anderem Schwimmsport, Kraftsport, Leichtathletik, Kampfsport oder Radsport. Ich trainiere zu Hause auf HIIT-Basis, jogge, gehe aufs Laufband, hebe Gewichte und schwimme.“

 

1. Sportförderung 

Der organisierte Sport in Sachsen-Anhalt fordert verlässliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie. 

Mit welchen Maßnahmen möchten Sie den Sport strukturell stärken, Förderverfahren vereinfachen und die Finanzierung des organisierten Sports langfristig verlässlich ausgestalten? 

Dr. Tillschneider: „Die Kommunen müssen wieder so auskömmlich finanziert werden, dass sie wieder mehr aus eigener Kraft sanieren können und die Sanierung von Sportstätten nicht immer vom Fördergeldbescheid abhängt. Unabhängig davon hat das Land der Sanierung von Sportstätten, insbesondere von Bädern, eine besondere Priorität einzuräumen. Deutschland zeichnet sich anders als etwa England durch ein dichtes Netz öffentlicher Bäder mit moderaten Eintrittspreisen aus. Diese Struktur muss unbedingt erhalten bleiben.“

 

2. Sportstätten & Bäder 

Viele Sportstätten und Bäder sind sanierungsbedürftig, Förderverfahren dauern oft zu lange. 

Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um Sportstätten und Bäder bedarfsgerecht zu sanieren, auszubauen und die Förderverfahren für Vereine und Kommunen spürbar zu beschleunigen? 

Dr. Tillschneider: „Entbürokratisierung ist eines unserer Kernanliegen auf allen Feldern, auch beim Sport und der Sportförderung. Wir reden nicht nur im Wahlkampf von Entbürokratisierung, wir werden damit Ernst machen. Die Organisation von Veranstaltungen, der Betrieb von Sportstätten, die Führung von Vereinen – alles wird mit uns einfacher. Was die Finanzierung angeht, so wollen wir an den Steigerungen der letzten Jahre festhalten und die institutionelle Förderung an der allgemeinen Lohn- und Kostenentwicklung orientieren. Konkretere Aussagen sind wegen eines Kassensturzes, der nach der Regierungsübernahme der AfD unabwendbar ist, derzeit nicht möglich.“

 

3. Ehrenamt 

Das Ehrenamt ist das Rückgrat des Sports, steht aber zunehmend unter Druck. 

Was wollen Sie tun, um das Ehrenamt im Sport wirksam zu entlasten, attraktiver zu machen und stärker anzuerkennen? 

Dr. Tillschneider: „Wir wollen das Ehrenamt stärken und ehren. Es ist gesamtgesellschaftlich

unverzichtbar. Nicht nur im Sport. Die AfD-Fraktion hat einen Tag des Ehrenamtes begangen und Preise verliehen. Eine AfD-geführte Landesregierung wird einen landesweiten Tag des Ehrenamtes einrichten und Ehrenamtliche mit Preisen und Prämien würdigen. 

 

Ehrenamtliches Engagement muss höher und besser an die tatsächliche Arbeitsleistung angepasst entschädigt werden. Bezüglich einer Vereinfachung von Verfahren, insbesondere der Beantragung von Zuschüssen aus Bundes- und EU-Mitteln, wird die oberste Sportbehörde des Landes eine ständige Beratungsstelle als Anlaufstelle für Vereine einrichten.“

 

4. Kinder-, Jugend- und Gesundheitssport 

Sportvereine leisten zentrale Beiträge für Bewegung, Bildung und Gesundheit aller Bevölkerungsgruppen. Sie leisten lokale Kinder- und Jugendarbeit und vor allem vor dem Hintergrund des demografischen Wandels einen wesentlichen Beitrag zur physischen und psychischen Gesundheit ihrer Mitglieder, indem sie regelmäßige Bewegung, soziale Kontakte und strukturierte Angebote unter qualifizierter Anleitung ermöglichen. 

Werden Sie sich dafür einsetzen, den Sport mit seinem nachweislichen Nutzen für die Gesellschaft als kommunale Pflichtaufgabe zu etablieren?

Dr. Tillschneider: „Wir schätzen den Sport sehr. Aber davon, dass wir den Sport auf dem Papier zur Pflichtaufgabe erklären, werden die Kommunen noch nicht in die Lage versetzt, ihn besser zu fördern. Wir halten es für zielführender, ihn als freiwillige Aufgabe zu belassen, aber seine Bedeutung hervorzuheben und die Kommunen durch eine verbesserte Finanzierung auch tatsächlich in die Lage zu versetzen, Sportmöglichkeiten vor Ort angemessen zu unterstützen.“

 

5. Leistungssport 

Die Erfolge der Athletinnen und Athleten aus Sachsen-Anhalt bei den vergangenen Olympischen Spielen haben eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial im Leistungssport unseres Landes steckt und welche Bedeutung leistungsfähige Strukturen vor Ort haben. 

Wie möchten Sie die infrastrukturellen, finanziellen und personellen Rahmenbedingungen an den Standorten des Spitzen- und Leistungssports weiterentwickeln, um den heutigen Anforderungen des Leistungssports gerecht zu werden? 

Dr. Tillschneider: „Zur niedrigschwelligen Talentfindung und -förderung sollten Schulen bei individuellen Begabungen das Gespräch mit den Eltern suchen, um individuelle Fördermöglichkeiten auszuloten. Hierzu kann das Ministerium für Bildung mit einem entsprechenden Runderlass beitragen. Auch Vereine sollen die Möglichkeit erhalten, zur Talentförderung außerhalb der Disziplinen des Schulsports individuelle Empfehlungen für die Eliteschulen des Sports abzugeben. Das für den Sport zuständige Ministerium einer AfD-geführten Landesregierung wird darauf achten, dass die Eliteschulen des Sports und die Stützpunkte international konkurrenzfähig bleiben, und dazu regelmäßig die Bedarfe abfragen. Die Infrastruktur in den Standorten muss regelmäßig kritisch überprüft und instandgehalten werden. Wir streben an, für mindestens eine weitere Schule in Sachsen-Anhalt die Zertifizierung als Eliteschule des Sports vom DOSB zu erhalten. Wir unterstützen das erfolgreiche Mentoring-Programm des LSB zur Verstärkung des Trainerpools. Über eine künftige Förderung aus

den Erlösen von Lotto Sachsen-Anhalt hinaus kann derzeit keine Finanzierungszusage gemacht werden. Im Benehmen mit dem Ministerium für Justiz kann das für Sport zuständige Ministerium anregen, dass die Möglichkeit geschaffen wird, Gelder aus Auflagen zu Verfahrenseinstellungen im Sinne des Sportfördergesetzes zu verwenden.“

 

6. Ihr Thema 

Jede Partei setzt eigene Schwerpunkte. 

Welches sportpolitische Thema ist Ihnen bzw. Ihrer Partei besonders wichtig, das bisher nicht ausreichend angesprochen wurde – und warum?

Dr. Tillschneider: „In unseren Augen sollte die Rolle des Sports bei der körperlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und bei der Gesundheitsprävention besonders herausgestellt werden. Übergewicht, Entwicklungsstörungen, Haltungsstörungen, Diabetes und viele weitere Krankheiten, denen Sport vorbeugt, sind auf dem Vormarsch. Wir sollten uns alle mehr bewegen. Beim Sportunterricht ist darauf zu achten, dass die Sportstunde nicht nur auf dem Papier steht, sondern dass die Kinder und Jugendlichen auch tatsächlich ins Schwitzen kommen und ihre körperlichen Grenzen ausloten. Weiterhin sind in Sportvereinen mehr und flexiblere Trainingsmöglichkeiten zu schaffen. Der Vormarsch der Fitnessstudios rührt auch daher, dass die Möglichkeiten, im Sportverein Sport tatsächlich auszuüben, oft zu sehr eingeschränkt sind.“

 

7. Drei schnelle Fragen 

Bitte vollenden Sie die folgenden Sätze (bitte nur einen Satz)! 

1. Wir treten ein für ein (überarbeitetes) bundesweites Sportfördergesetz, das… 

Dr. Tillschneider: „… den Ländern genug Freiraum für eigene Akzente lässt.“

2. Die Potenziale des Sports als treibende Kraft für Integration, Inklusion und Teilhabe unterstützen wir durch… 

Dr. Tillschneider: „… eine Sportförderung, die sich auf den Sport selbst konzentriert, ohne ihn mit politischen Zielsetzungen zu überfragen.“

3. Digitalisierung im Sport bedeutet für uns…

Dr. Tillschneider: „… eine beschleunigte Abwicklung des organisatorischen und bürokratischen Drumherums.“