"7 Fragen für den Sport" mit Dennis Helmich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

 

Dennis Helmich ist ehemaliger Stadtrat von Halle und Landtagskandidat der Partei "BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN". 
Im Interview spricht er über die geplante Sportpolitik seiner Partei auf Landesebene, u.a. in den Bereichen Sportförderung, Ehrenamt oder Leistungssport.

Mann in grauem Jackett; Text "Dennis Helmich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)) - Interview zur Landtagswahl 2026"

Im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat der Stadtsportbund Halle e.V. die derzeit im Landtag vertretenen Parteien zu zentralen sportpolitischen Themen befragt. Grundlage der Fragen waren wesentliche Forderungen des Landessportbundes Sachsen-Anhalt zur Landtagswahl 2026.
 

Die Parteien wurden gebeten, die Fragen möglichst durch eine Kandidatin oder einen Kandidaten mit Bezug zur Stadt Halle (Saale) beantworten zu lassen. Die eingegangenen Antworten werden unverändert veröffentlicht und redaktionell lediglich hinsichtlich Layout und Darstellung aufbereitet.
 

Alle vollständigen Interviews findet ihr auf unserer Website unter www.sportinhalle.de/landtagswahl2026.


Hinweis: Die Reihenfolge der veröffentlichten Interviews richtet sich nach dem Eingang der Antworten und stellt
keine politische Wertung dar.

Einstiegsfrage:

Welche persönlichen Erfahrungen und Berührungspunkte haben Sie mit dem Sport (Hobby, Leistungssport, ehrenamtliches Engagement, …)? 

Helmich: „Sport ist mein Begleiter über mein ganzes Leben hinweg. Als aktiver Basketballer (aktuell nach der Meisterschaft in der Landesliga mit dem Aufstieg in die Oberliga), als Fan des Mitteldeutschen BC und unserer halleschen Profimannschaften, als Fakten-Nerd und Teilzeit-Groundhopper (in früheren Jahren). Der Erwerb eines Trainerscheins steht zusätzlich bei mir ganz oben auf der privaten To-Do-Liste. Darüber hinaus habe ich über neun Jahre als Stadtrat in Halle den Sport vor Ort politisch begleitet und unterstützt.“

 

1. Sportförderung 

Der organisierte Sport in Sachsen-Anhalt fordert verlässliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie. 

Mit welchen Maßnahmen möchten Sie den Sport strukturell stärken, Förderverfahren vereinfachen und die Finanzierung des organisierten Sports langfristig verlässlich ausgestalten? 

Helmich: „Sportstätten sind ein zentraler Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Gerade in Halle sehen wir, dass viele Sportanlagen über Jahre stark genutzt wurden und jetzt vor großen Herausforderungen stehen. Unser Ziel muss sein, Sportstätten nicht nur zu erhalten, sondern sie zukunftsfähig, energieeffizient, barrierearm und für möglichst viele Menschen nutzbar zu machen. Fakt ist aber auch: Nur im Schulterschluss zwischen Land, Bund und Kommunen kann der massive Sanierungsstau spürbar reduziert werden. 

Dafür brauchen wir eine langfristige Sanierungsstrategie gemeinsam mit Kommunen, Verbänden, Vereinen und dem Land mit der Flankierung des Bundes. Förderprogramme müssen planbarer werden und stärker auf den tatsächlichen Bedarf vor Ort ausgerichtet sein. Besonders wichtig ist mir, dass Vereine nicht an komplizierten Verfahren scheitern, weil ehrenamtlich Engagierte neben ihrer eigentlichen Vereinsarbeit umfangreiche Antragsbürokratie bewältigen müssen. Berichtspflichten müssen verhältnissmäßig umgestaltet werden, Abfragen standardisiert und viele Prozesse digitaler werden.

Für Halle bedeutet das: Wir müssen die vorhandenen Sportstätten sichern, den Sanierungsstau Schritt für Schritt abbauen und dort investieren, wo viele Menschen erreicht werden – von Sporthallen über Vereinsanlagen bis zu Bädern. Gerade beim Schwimmen brauchen wir verlässliche Angebote für Schulen, Vereine und die Bevölkerung. Schwimmen zu lernen ist eine wichtige Frage von Sicherheit, Gesundheit und Teilhabe.“

 

2. Sportstätten & Bäder 

Viele Sportstätten und Bäder sind sanierungsbedürftig, Förderverfahren dauern oft zu lange. 

Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um Sportstätten und Bäder bedarfsgerecht zu sanieren, auszubauen und die Förderverfahren für Vereine und Kommunen spürbar zu beschleunigen? 

Helmich: „Der organisierte Sport braucht Verlässlichkeit. Vereine können ihre wichtige Arbeit nur leisten, wenn sie wissen, worauf sie sich verlassen können – finanziell, strukturell und bei der Unterstützung durch Politik und Verwaltung.

Ich möchte den Sport als festen Bestandteil einer modernen Gesundheits-, Bildungs- und Sozialpolitik stärken. Sportvereine leisten Präventionsarbeit, fördern Kinder und Jugendliche, schaffen Integration und stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Leistungen müssen politisch stärker berücksichtigt werden.

Dazu gehören einfachere Förderverfahren, weniger Bürokratie und bessere Beratungsstrukturen für Vereine. Gerade kleinere Vereine brauchen Unterstützung, damit Fördermöglichkeiten tatsächlich genutzt werden können.

Für Halle ist besonders wichtig, die Zusammenarbeit zwischen Land, Stadt, Stadtsportbund und Vereinen weiter auszubauen. Wir brauchen keine kurzfristigen Einzelprogramme, sondern eine verlässliche Sportförderung, die Vereinen Planungssicherheit gibt. Wir wollen den LSB stärken und die Sportstättenförderung im Land angemessen ausbauen.“

 

3. Ehrenamt 

Das Ehrenamt ist das Rückgrat des Sports, steht aber zunehmend unter Druck. 

Was wollen Sie tun, um das Ehrenamt im Sport wirksam zu entlasten, attraktiver zu machen und stärker anzuerkennen? 

Helmich: „Der Sport in Halle lebt vom Engagement vieler Menschen, die Verantwortung übernehmen – als Trainerinnen und Trainer, Vorstände, Betreuerinnen und Betreuer oder Helfende bei Veranstaltungen. Dieses Engagement verdient mehr Anerkennung und bessere Rahmenbedingungen.

Wir müssen Ehrenamtliche vor allem entlasten: durch weniger Bürokratie, verständlichere Vorgaben und bessere Unterstützungsangebote. Niemand sollte einen großen Teil seiner Freizeit mit Verwaltungsaufgaben verbringen müssen, die eigentlich durch bessere Strukturen erleichtert werden könnten.

Ein wichtiger Baustein ist für uns auch die Einführung eines Bildungszeitgesetzes in Sachsen-Anhalt. Ehrenamtliches Engagement braucht Zeit und Anerkennung. Menschen, die sich fortbilden möchten – etwa für ihre Tätigkeit als Trainerin oder Trainer, Jugendleiterin oder Jugendleiter oder in Vereinsfunktionen – sollen die Möglichkeit erhalten, dafür Bildungszeit nutzen zu können. Das stärkt nicht nur das Ehrenamt, sondern auch die Qualität der Arbeit in unseren Vereinen.

Gleichzeitig müssen wir neue Menschen für das Ehrenamt gewinnen und eine stärkere Anerkennungskultur entwickeln. Gerade junge Menschen brauchen Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen und Erfahrungen zu sammeln.

In Halle zeigt sich besonders deutlich: Eine starke Vereinslandschaft ist ohne freiwilliges Engagement nicht möglich. Deshalb wollen wir die Menschen, die den Sport vor Ort tragen, besser unterstützen und ihnen mehr Wertschätzung entgegenbringen.“

 

4. Kinder-, Jugend- und Gesundheitssport 

Sportvereine leisten zentrale Beiträge für Bewegung, Bildung und Gesundheit aller Bevölkerungsgruppen. Sie leisten lokale Kinder- und Jugendarbeit und vor allem vor dem Hintergrund des demografischen Wandels einen wesentlichen Beitrag zur physischen und psychischen Gesundheit ihrer Mitglieder, indem sie regelmäßige Bewegung, soziale Kontakte und strukturierte Angebote unter qualifizierter Anleitung ermöglichen. 

Werden Sie sich dafür einsetzen, den Sport mit seinem nachweislichen Nutzen für die Gesellschaft als kommunale Pflichtaufgabe zu etablieren?

Helmich: „Sport ist ein zentraler Bestandteil einer gesunden und solidarischen Gesellschaft. Vereine leisten wertvolle Arbeit in den Bereichen Gesundheit, Kinder- und Jugendarbeit, Integration, Inklusion und Gemeinschaft.

Ich unterstütze deshalb das Ziel, den gesellschaftlichen Wert des Sports stärker politisch abzubilden und seine Bedeutung als öffentliche Aufgabe weiter zu stärken. Gerade angesichts des demografischen Wandels brauchen wir Angebote, die Menschen in Bewegung bringen und soziale Kontakte ermöglichen.

Dabei geht es nicht nur um finanzielle Unterstützung, sondern auch um die Anerkennung der vielfältigen Leistungen, die Sportvereine für unsere Gesellschaft erbringen. Das wird man nicht durch eine einzelne Maßnahme oder ein einzelnes Förderprogramm erreichen, sondern ähnlich wie im Kulturbetrieb brauchen wir einen Schritt heraus aus der freiwilligen Aufgabe hin zur kommunalen Pflichtaufgabe. Nicht nur auf dem Papier, sondern mit einer mittelfristig verstetigten Finanzierung.“

 

5. Leistungssport 

Die Erfolge der Athletinnen und Athleten aus Sachsen-Anhalt bei den vergangenen Olympischen Spielen haben eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial im Leistungssport unseres Landes steckt und welche Bedeutung leistungsfähige Strukturen vor Ort haben. 

Wie möchten Sie die infrastrukturellen, finanziellen und personellen Rahmenbedingungen an den Standorten des Spitzen- und Leistungssports weiterentwickeln, um den heutigen Anforderungen des Leistungssports gerecht zu werden? 

Helmich: „Als Land Sachsen-Anhalt können wir die infrastrukturellen, finanziellen und personellen Rahmenbedingungen für den Spitzen- und Leistungssport nicht allein in dem nötigen Umfang verbessern. Dafür braucht es eine gute Spitzensportreform auf Bundesebene, die verlässliche Strukturen, eine bessere Finanzierung und klare Zuständigkeiten schafft.

Halle verfügt über eine starke Sporttradition, erfolgreiche Vereine, engagierte Trainerinnen und Trainer sowie leistungsfähige Strukturen. Dieses Potenzial wollen wir als Grüne weiterentwickeln und zukunftsfest machen. Dafür brauchen wir moderne Trainingsstätten, stabile finanzielle Grundlagen und ausreichend hauptamtliche Strukturen.

Besonders wichtig ist uns die Absicherung qualifizierter Trainerinnen und Trainer. Gute sportliche Leistungen entstehen nicht kurzfristig, sondern durch kontinuierliche Arbeit, Planungssicherheit und faire Arbeitsbedingungen. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass die personellen Rahmenbedingungen im Leistungssport nachhaltig gestärkt werden.

Zugleich müssen Schulen, Vereine, Verbände und Leistungssportstrukturen enger zusammenarbeiten. Talente sollen früh erkannt und gefördert werden, ohne dass junge Menschen zwischen Bildung und Sport entscheiden müssen. Eine gute Vereinbarkeit von schulischer Laufbahn, Ausbildung und Leistungssport ist für uns zentral.

Für Halle bedeutet das: Wir wollen die vorhandenen Potenziale als Sportstadt weiter ausbauen und den Nachwuchs- und Spitzensport stärken. Aber das gelingt dauerhaft nur, wenn Bund und Land den Spitzensport insgesamt moderner, transparenter und verlässlicher aufstellen.“

 

6. Ihr Thema 

Jede Partei setzt eigene Schwerpunkte. 

Welches sportpolitische Thema ist Ihnen bzw. Ihrer Partei besonders wichtig, das bisher nicht ausreichend angesprochen wurde – und warum? 

Helmich: „Ein Thema, das stärker in den Mittelpunkt gehört, ist Sport als Instrument für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Teilhabe.

Sportvereine sind Orte, an denen Demokratie ohne großes Gerede gelebt wird: Menschen übernehmen Verantwortung, organisieren gemeinsam Aktivitäten und schaffen Begegnungen über soziale und kulturelle Grenzen hinweg.

Gerade angesichts gesellschaftlicher Veränderungen und Risse müssen wir Sport nicht nur als Bewegung, sondern als wichtigen Bestandteil einer lebenswerten Stadt verstehen. Dazu gehören Angebote für Kinder und Jugendliche genauso wie Sportmöglichkeiten für ältere Menschen oder Menschen mit Einschränkungen. Auch Sport als Wirkungsraum für soziale Arbeit wird weiterhin unterschätzt.

Mein Ziel ist eine Sportpolitik, die alle Menschen in Halle erreicht – unabhängig von Alter, Einkommen oder Herkunft. Denn eine starke Sportlandschaft macht eine Stadt insgesamt stärker.“

 

7. Drei schnelle Fragen 

Bitte vollenden Sie die folgenden Sätze (bitte nur einen Satz)! 

1. Wir treten ein für ein (überarbeitetes) bundesweites Sportfördergesetz, das… 

Helmich: „… Sportstätten, Förderung und Strukturen verlässlich absichert.“

2. Die Potenziale des Sports als treibende Kraft für Integration, Inklusion und Teilhabe unterstützen wir durch… 

Helmich: „… den Ausbau inklusiver Vereins-, Schul- und Projektangebote sowie verlässliche Förderstrukturen in denen Sport als Triebkraft für Inklusion anerkannt wird.“

3. Digitalisierung im Sport bedeutet für uns…

Helmich: „… barrierefreie, moderne Verwaltungsprozesse, bessere Förderzugänge und digitale Strukturen für Vereine und Verbände.“