"7 Fragen für den Sport" mit Andreas Silbersack (FDP)
Im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat der Stadtsportbund Halle e.V. die derzeit im Landtag vertretenen Parteien zu zentralen sportpolitischen Themen befragt. Grundlage der Fragen waren wesentliche Forderungen des Landessportbundes Sachsen-Anhalt zur Landtagswahl 2026.
Die Parteien wurden gebeten, die Fragen möglichst durch eine Kandidatin oder einen Kandidaten mit Bezug zur Stadt Halle (Saale) beantworten zu lassen. Die eingegangenen Antworten werden unverändert veröffentlicht und redaktionell lediglich hinsichtlich Layout und Darstellung aufbereitet.
Alle vollständigen Interviews findet ihr auf unserer Website unter www.sportinhalle.de/landtagswahl2026.
Hinweis: Die Reihenfolge der veröffentlichten Interviews richtet sich nach dem Eingang der Antworten und stellt
keine politische Wertung dar.
Einstiegsfrage:
Welche persönlichen Erfahrungen und Berührungspunkte haben Sie mit dem Sport (Hobby, Leistungssport, ehrenamtliches Engagement, …)?
Silbersack: „Seit meiner Jugendzeit bis 2008 habe ich Handball gespielt auf den Positionen Rechtsaußen oder Mitte. Außerdem gehören Joggen und Radfahren zu meinen Hobbys.
Seit 2004 bin Vorsitzender des USV Halle, von 2008 bis 2019 war ich Präsident des Landessportbunds Sachsen-Anhalt, seit 2013 bin ich Vizepräsident von Special Olympics Sachsen-Anhalt und Special Olympics Deutschland und von 2018 bis 2021 war ich Vizepräsident des DOSB.“
1. Sportförderung
Der organisierte Sport in Sachsen-Anhalt fordert verlässliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie.
Mit welchen Maßnahmen möchten Sie den Sport strukturell stärken, Förderverfahren vereinfachen und die Finanzierung des organisierten Sports langfristig verlässlich ausgestalten?
Silbersack: „Die FDP Sachsen-Anhalt setzt sich für kontinuierliche Investitionen in Sportstätten und Bäder ein. Sportvereine brauchen moderne, sichere und bezahlbare Infrastruktur, in Städten ebenso wie im ländlichen Raum. Deshalb wollen wir Planungs- und Förderverfahren deutlich beschleunigen, digitalisieren und stärker an den praktischen Bedürfnissen von Vereinen und Kommunen ausrichten.
Konkret bedeutet das: weniger Nachweispflichten, einfachere Antragsverfahren, digitale Bearbeitung, transparente Fristen und eine stärkere Nutzung des digitalen Sportstättenatlas. Dieser kann helfen, Sanierungsbedarfe besser zu erfassen, Förderentscheidungen nachvollziehbarer zu machen und Investitionen gezielter dorthin zu lenken, wo sie tatsächlich gebraucht werden. Entscheidend ist für uns außerdem, dass die Nutzung kommunaler Sportstätten für Vereine bezahlbar bleibt. Sport darf nicht daran scheitern, dass Vereine steigende Nutzungsgebühren oder Sanierungskosten nicht mehr tragen können.“
2. Sportstätten & Bäder
Viele Sportstätten und Bäder sind sanierungsbedürftig, Förderverfahren dauern oft zu lange.
Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um Sportstätten und Bäder bedarfsgerecht zu sanieren, auszubauen und die Förderverfahren für Vereine und Kommunen spürbar zu beschleunigen?
Silbersack: „Die FDP Sachsen-Anhalt setzt sich für Pauschalförderung für Vereine und Mitgliedsorganisationen ein. Pauschale Mittel sind aus unserer Sicht ein Ausdruck von Vertrauen in die Vereinsbasis: Die Vereine wissen selbst am besten, wofür Mittel vor Ort gebraucht werden.
Kleine Vereine dürfen nicht durch dieselben bürokratischen Anforderungen belastet werden wie große, professionelle Träger. Gerade kleinere Förderungen müssen mit deutlich weniger Aufwand beantragt, abgerechnet und geprüft werden können.
Strukturell wichtig ist zudem eine Reform des Sportfördergesetzes Sachsen-Anhalt. Dabei geht es unter anderem um die Gleichstellung von Vereinen, die eigene Liegenschaften nutzen und unterhalten, mit Vereinen, die kommunale Sportstätten in Anspruch nehmen. Wer Verantwortung für eigene Sportanlagen übernimmt, darf dadurch nicht schlechter gestellt werden.“
3. Ehrenamt
Das Ehrenamt ist das Rückgrat des Sports, steht aber zunehmend unter Druck.
Was wollen Sie tun, um das Ehrenamt im Sport wirksam zu entlasten, attraktiver zu machen und stärker anzuerkennen?
Silbersack: „Wir wollen Anerkennungsinstrumente ausbauen, ehrenamtliches Engagement sichtbarer machen und die Vereinbarkeit mit Schule, Studium, Beruf und Familie verbessern. Auch die langfristige Sicherung der Freiwilligendienste ist für uns ein wichtiger Baustein, um junge Menschen für Engagement im Sport zu gewinnen.
Darüber hinaus wollen wir die Erlangung von Trainer- und Übungsleiterlizenzen stärker unterstützen. Qualifizierte Strukturen im Breiten-, Nachwuchs- und Leistungssport entstehen nicht von allein, sondern brauchen Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.“
4. Kinder-, Jugend- und Gesundheitssport
Sportvereine leisten zentrale Beiträge für Bewegung, Bildung und Gesundheit aller Bevölkerungsgruppen. Sie leisten lokale Kinder- und Jugendarbeit und vor allem vor dem Hintergrund des demografischen Wandels einen wesentlichen Beitrag zur physischen und psychischen Gesundheit ihrer Mitglieder, indem sie regelmäßige Bewegung, soziale Kontakte und strukturierte Angebote unter qualifizierter Anleitung ermöglichen.
Werden Sie sich dafür einsetzen, den Sport mit seinem nachweislichen Nutzen für die Gesellschaft als kommunale Pflichtaufgabe zu etablieren?
Silbersack: „Wir erkennen ausdrücklich an, dass Sportvereine einen zentralen Beitrag für Bewegung, Bildung, Gesundheit, Integration, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten. Gerade im Kinder- und Jugendbereich, aber auch mit Blick auf den demografischen Wandel, ist Sport ein wichtiger Bestandteil von Kommunen.
Gleichzeitig ist für uns entscheidend, die kommunale Selbstverwaltung und die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen zu stärken. Kommunen müssen wieder in die Lage versetzt werden, eigenverantwortlich über freiwillige Aufgaben wie Sport, Kultur, Ehrenamt und soziale Infrastruktur zu entscheiden. Neue Pflichtaufgaben dürfen nicht ohne vollständige Gegenfinanzierung auf die Kommunen übertragen werden.
Deshalb setzen wir uns vor allem dafür ein, Kommunen finanziell so auszustatten, dass sie Sport dauerhaft unterstützen können. Unser Ziel ist nicht mehr Bürokratie durch neue Pflichtenkataloge, sondern mehr tatsächliche Handlungsfähigkeit für Sport vor Ort. Sport als Pflichtaufgabe der Kommunen würde bedeuten, dass diese den Sport organisieren – die Autonomie des Sports würde untergraben werden.“
5. Leistungssport
Die Erfolge der Athletinnen und Athleten aus Sachsen-Anhalt bei den vergangenen Olympischen Spielen haben eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial im Leistungssport unseres Landes steckt und welche Bedeutung leistungsfähige Strukturen vor Ort haben.
Wie möchten Sie die infrastrukturellen, finanziellen und personellen Rahmenbedingungen an den Standorten des Spitzen- und Leistungssports weiterentwickeln, um den heutigen Anforderungen des Leistungssports gerecht zu werden?
Silbersack: „Wir wollen insbesondere qualifizierte Trainer- und Übungsleiterstrukturen dauerhaft sichern, die Nachwuchsförderung stärken und die Eliteschulen des Sports attraktiv halten. Sie haben eine wichtige Leuchtturmfunktion und müssen den heutigen Anforderungen des Leistungssports gerecht werden. Dazu gehören moderne Trainingsbedingungen, gute schulische Begleitung, bessere Vereinbarkeit von Bildung und Leistungssport sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Landesfachverbänden, Schulen, Olympiastützpunkten und Kommunen.
Leistungssport beginnt zugleich im Breitensport. Deshalb ist für uns wichtig, Sport in Kita und Schule zu stärken und Kooperationen mit Vereinen auszubauen. Talente müssen früh entdeckt und gefördert werden können, unabhängig davon, ob sie aus einer Großstadt oder aus dem ländlichen Raum kommen.“
6. Ihr Thema
Jede Partei setzt eigene Schwerpunkte.
Welches sportpolitische Thema ist Ihnen bzw. Ihrer Partei besonders wichtig, das bisher nicht ausreichend angesprochen wurde – und warum?
Silbersack: „Besonders wichtig ist uns, Sportpolitik stärker datenbasiert, transparent und langfristig planbar zu machen. Dafür ist der Sportstättenatlas ein zentrales Instrument. Er kann sichtbar machen, wo Sportstätten, Hallen, Plätze und Bäder sanierungsbedürftig sind, welche Anlagen besonders stark genutzt werden und wo Investitionen den größten Effekt für Vereine, Schulen und Kommunen haben. Damit Förderentscheidungen nicht vom Zufall oder von kurzfristigen Einzelprogrammen abhängen, brauchen wir eine belastbare Grundlage für die Sportstättenentwicklung in ganz Sachsen-Anhalt.
Zugleich bleibt für uns die Freiheit und Eigenverantwortung der Vereine entscheidend. Sportpolitik darf nicht über die Köpfe der Vereine hinweg gemacht werden. Vereine brauchen Vertrauen, weniger Bürokratie und mehr Spielräume, um vor Ort das umzusetzen, was tatsächlich gebraucht wird.“
7. Drei schnelle Fragen
Bitte vollenden Sie die folgenden Sätze (bitte nur einen Satz)!
1. Wir treten ein für ein (überarbeitetes) bundesweites Sportfördergesetz, das…
Silbersack: „… Vereine entlastet, Förderverfahren vereinfacht, Investitionen in Sportstätten erleichtert und die Vielfalt des organisierten Sports verlässlich stärkt.“
2. Die Potenziale des Sports als treibende Kraft für Integration, Inklusion und Teilhabe unterstützen wir durch…
Silbersack: „… starke Vereine, barrierearme Sportangebote, die Unterstützung von Special Olympics und den Ausbau inklusiver Sportstrukturen in ganz Sachsen-Anhalt.“
3. Digitalisierung im Sport bedeutet für uns…
Silbersack: „… weniger Bürokratie, einfache digitale Förderverfahren, einen praxistauglichen Sportstättenatlas und mehr Zeit für die eigentliche Vereinsarbeit.“